ANGEKOMMEN IN DER TRISTESSE…

Vorbei sind die Zeiten, als mutige politische Entscheidungen von mutigen entscheidungsfreudigen Politikern dazu beitrugen, die Welt zu verändern oder ein bisschen erträglicher zu gestalten. Durch politische Verfehlungen von Jahrzehnten, gepaart mit einer bis dato nicht gekannten Aufklärung durch Internet und sozialen Netzwerken, sind die Menschen weltweit nicht mehr bereit, sich hinten anzustellen oder willkürliche Ungerechtigkeiten über sich ergehen zu lassen. Die Folge ist Massenflucht aus der Heimat und den Heimatstaaten und Heimatsystemen. Egal ob die Welle vom afrikanischen Kontinent oder vom Nahen Osten aus zu uns rollt – sie rollt unaufhaltsam.

Im ersten Schritt wird Europa überrollt, obwohl von hier aus wohl nur ein Bruchteil der eigentliche Fluchtursache ausging. Die Verursacher der Krisen sitzen jenseits des Atlantik oder nahe des Urals. Hier residieren die Waffenschieber und selbsternannten Weltherren und spielen mit dem Erdball Conquest in Reinkultur. Wir Deutsche dürfen im besten Fall etwas an der Konsumschraube mitdrehen und müssen dann mit unserer sprichwörtlichen Willkommenskultur die Suppe anderer auslöffeln.

Beinahe täglich erreichen mich Aussagen von Mitbürgern, Nachbarn und angeblichen Freunden wie Bekannten via Facebook, die mich erschaudern lassen. In bester Bildzeitungsmanier werden völlig unkritisch Parolen übernommen, die meine Vorstellungskraft zu sprengen drohen. Das ganze Potenzial der latenten und über Jahrzehnte unter Verschluss gehaltenen Fremdenfeindlichkeit schlägt mir entgegen wie die Antriebsblätter der Windmühlen, gegen die Don Quixote in vergangenen Tagen vergeblich anritt…

Kaum hatte sich Angela Merkel, die Mutter der Nation, dazu durchgerungen, dem widerlichen Spektakel Orbans ein Ende zu machen, schon wird sie in den eigenen Reihen verunglimpft und attackiert. Eine Basta-Politik kann eben nur von einem Patriarchen geführt werden, und da fühlt sich der bayerische Horst mehr als angesprochen, ja schier aufgefordert und vielleicht ja zu Größerem berufen… – schließlich feierte man ja erst kürzlich den ‚Jahrhundert-Bayern‘, eben ‚Uns-Franz-Josef‘, den bayerischen Übervater, der untersetzt, streitbar, korrupt und bedingungslos erfolgsorientiert wahrscheinlich dem gewünschten Ideal eines kompletten Menschenschlages entspricht. Diese Verherrlichung eines Polit-Schurken erinnert den einen oder anderen beinahe schon ein wenig an die Dreißiger Jahre. Sei es wie es will; in diesen Zeiten ist es ein Leichtes, sich in der Erklärungsnot der Entscheidenden als großer Führer und Lenker aufzuspielen und mit Vorschlägen zum Dialog mit den Herren Orban und Putin für Resonanzen zu sorgen. Schließlich war der Herrscher über Russland ja bis zu seinem Säbelrasseln in der Ukraine kein Schlimmer nicht und ohne ihn sind wohl die Krisen dieser Welt kaum zu beherrschen.

Angesichts der politischen Ohnmacht in der EU und der anekelnden Diskussion um humanitäre Hilfen für Flüchtlinge macht sich in der augenblicklichen Lage Tristesse breit. Die aktuelle Situation auf der Welt ist ein Vorgeschmack auf weitere explosive Themen, die die Weltgemeinschaft allesamt überfordern wird. Wenn wir weltweit nicht einmal in der Lage sind Kriege einzudämmen oder Menschen mit dem Notwendigsten zu versorgen, die auf der Flucht vor Krieg und Elend sind, wie sollen wir denn dann die Klimakatastrophe oder den Anstieg des Meeresspiegels in den Griff bekommen. Wie sollen wir denn die Plastikteppiche auf dem Grunde der Weltmeere bekämpfen können, wenn wir weiterhin auf höchstem Niveau diesen ökologischen Supergau weiter produzieren und sogar von zukünftigen Wachstumsraten im Plastik- und Kunststoffgewerbe sprechen? Was soll denn ein Atomausstieg bringen, wenn die hiesigen Atomgiganten im Ausland weitere Atommeiler bauen…

Nach uns die Sintflut ist der allgemeine Slogan der derzeit den Takt angebenden Elite. Und die Diktatoren unserer Gegenwart, die Orbans, die Putins, die Erdogans, die Assisis und wie sie alle heißen, bauen sich prunkvolle Gemächer, zetteln Kriege an, spielen mit Menschenleben wie mit Roullette-Chetons und stellen sich nicht ihrer Verantwortung, sondern unterdrücken den politischen Gegner oder Klassenfeind.

Leider hatten wir in Europa außer der Jugoslawienkrise kaum Anschauungsunterricht in der Bewältigung von tatsächlichen Problemen und den damit verbundenen Herausforderungen. Die letzten Jahrzehnte waren eher geprägt von Finanzmärkten, DAX-Kurven, Milliardentransfers und der Aufnahme des europäischen Ostens. 95 % aller Aufgaben bestand darin, Gelder von der einen Seite zur anderen zu schaffen, die Regeln der Finanzplätze anzugleichen und zu guter letzt noch ein paar Milliönchen für die Entwicklungshilfe auszugeben. Letzteres wurde in der Vergangenheit mangelhaft betrieben und so machten sich aus Afrika kommend die ersten Menschen auf den Weg. Vornehmlich sind es junge Männer und gar Jugendliche, die das Heil der Großfamilie in der Heimat durch ihre Flucht nach Europa retten sollen. Mittlerweile hat auch der ferne Osten erkannt, dass Afrika ein idealer Ort für Ausbeutung und Unterdrückung ist. So ist es nicht verwunderlich, dass es kaum noch Lebensgrundlagen und -perspektiven für die dort ansässige Bevölkerung gibt. Die Uneinigkeit in der Bewältigung der Krisen des Nahen Ostens ist eine Bankrotterklärung der Weltpolitik und fördert offen zutage, in welchem Zustand sich die Weltgemeinschaft befindet. Zu unser aller Bedauern ist die Zeit der Glückseligkeit in Europa vorbei. Die multimediale Welt hat es möglich gemacht, dass jeder sichere Platz der Welt von den Schutzsuchenden überrollt wird. Und urplötzlich gibt es die Probleme dieser Welt nicht mehr nur im Fernsehen, sondern direkt vor unserer Haustür. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Stellen wir uns der Realität und verschließen alle Türen oder öffnen wir sie…?

Um der Vernunft willen wird es einen Kompromiss geben, der da heißt, lassen wir aus Gründen der Humanität einen Spalt offen… – und stecken hie und da einmal unsere Nase hinaus, um zu schauen, ob die Luft rein ist…

Eines ist aber klar. Der Umgang mit Menschen ist weitaus aufwendiger und komplexer, als der Umgang mit Geld. Bei letzterem jedoch tagen unserer Volksvertreter über Monate täglich – in der Flüchtlingskrise reicht es schon mit einem Mal pro Monat – eine Einigung ist, im Gegensatz zur Finanzkrise, jedoch nicht in Sicht!

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