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DIE LINIE HALTEN…

Eines der Hauptrezepte für den individuellen Lebensweg ist es, die Linie zu halten oder einfach Haltung zu bewahren. Die wahre Größe kennt sein Selbst, sein eigenes Ich, und lässt Kritik und fehl ambitionierte Angriffe Dritter einfach an sich abperlen, als wäre nichts geschehen. Denn das ist das A und O eines jeden Protagonisten – das Wissen über sich selbst. Oft sind es die Sensiblen, oftmals die Kreativen, die mit unerwarteten Angriffen der Liebsten oder der Nebenbuhler, Neider oder Argwöhner, kaum umgehen können. Doch ist das Leben ein großes Feld des Lernens und auch der Künstler vermag aus der Sackgasse der Kleinbürgerlichkeit zu entfliehen, um sein Seelenheil und seine Schaffenskraft für sich selbst zu retten…

Und sei es, dass ein Alkoholiker rückfällig wird… – so hat er noch lange nicht verloren, sondern kann unverzüglich die 0 setzen und dasselbe Spiel seiner Gesundungs-Renaissance wieder von vorne beginnen, bis der Geist so gefestigt ist, dass er standhaft sein kann gegen die mannigfaltigen Verführungen des Teufels. Und sei es, dass jedwelche Sucht, ob stofflich oder nicht, den Individualisten heimsucht – so ist es die 0, die uns wieder als Chance offenbar, und in Gemeinschaft mit unserem festen Willen alles schaffen kann, was wir uns nur wünschen.

Gerne hält das Leben für uns Rückschläge bereit. Es sind Prüfungen und Aufgaben, die zu parieren, unseren Lebensweg und unsere Entwicklung markieren. Kein Wachstum ohne Erfahrung – kein Aufstehen ohne vorherigen Niedergang! Wie schlimm muss es für die neureiche Nachkommenschaft sein, zum Beispiel eine Firma geerbt zu haben. Ab dem Antritt der zugesprochenen Verantwortung wird jede Eigenständigkeit des egoistischen Denkens und der aufkeimenden Kreativität durch die große Last der Vorgängergenerationen ausgelöscht und der Sprössling in ein vorgezeichnetes Leben geführt. Der Erbengesellschaft wird somit jede Erfahrung von Not und Elend, von Durchsetzung und sozialem Miteinander auf Augenhöhe, geraubt. Das Resultat solcher Hinterlassenschaften ist oft schockierend, zieht es doch häufig menschliche Kälte, Dekadenz und fehlende soziale Wärme nach sich… Häufig wurden die Kinder von Unternehmerfamilien hintrainiert zur bloßen Funktionalität – der Spross wurde passend gemacht und der Unternehmensidee hinten angestellt.

Vor dem Hintergrund der auseinanderdriftenden Pole von Arm und Reich, muss festgestellt werden, dass die reiche Gesellschaft in den sozialen Tugenden viel ärmer ist als die arme… Die Abschottung des Reichtums zieht eine endlos lange Kette an menschlicher Ignoranz nach sich, während sich die Armen dieser Welt solidarisieren und eine ganz eigene, brüderlich-schwesterliche Kompetenz darstellen. Am Ende wird die Rechnung der durch den Kapitalismus geschaffenen sozialen Unterteilung von Menschen nach weltlichen Maßstäben nicht aufgehen. Denn die Macht der Vielen liegt in der Verweigerung des Gehorsams. Diese Verweigerung wird dann in Kraft treten, wenn die Dekadenz zu morden beginnt, nur um die mit den Gaunermethoden der Bereicherung erzielten Kapitalstände zu verteidigen.

Gerade in unserer aktuellen Gegenwart, in der wir einerseits an den Bildern von Flüchtlingskatastrophen leiden, und andererseits mit allen Mitteln unseren Wohlstand erhalten wollen, wird spürbar, wie unvereinbar Reichtum mit sozialer Wärme zu sein scheint. Selbst der Papst kommt einem in dem Spiel nur wie eine mahnende Marionette in einem Kasperletheater vor, nicht aber wie der oberste Glaubenspriester der katholischen Kirchengemeinschaft. Genau wie vor 2016 Jahren nämlich schert es die Gesellschaft der Gläubigen einen Dreck, wie barmherzig Menschen miteinander umgehen sollen. Barmherzigkeit ist heutzutage ein Budgetposten, der im Haushalt eingestellt wird.

Da bleibt nur der Aufruf am mich selbst, weiter die Linie zu halten. Und ist die Linie mal verlassen, dann messe ich den Abstand zu meiner inneren Mitte und mache mich auf den Weg, diese wieder zu erreichen. Dies alles kann aber nur geschehen, wenn mir bewusst ist oder wird, wie weit ich mich von dieser inneren Mitte entfernt habe oder hatte… Doch schreibe ich diese Zeilen, so habe ich mich wieder auf den Weg gemacht – und halte die Linie. Kritik wird an mir abperlen, da mir mein Selbst wieder bekannt, und fehl ambitionierte Angriffe Dritter könnten höchstens amüsierend sein…

In dem Zusammenhang möchte ich dem ZDF und Jan Böhmermann ein großes Kompliment machen. Sie haben die Linie gehalten und sind auf Gedeih und Verderb für ihr Grundrecht eingestanden – eine Angela Merkel jedoch war in dieser Posse ein Fähnchen im Wind; eben so, wie es Politiker heutzutage so oft sind… (welch‘ eine schwache Berufsauffassung…).

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