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DIE LÖSUNG LIEGT IN SYRIEN

Jetzt geht’s also doch. Die Kanzlerin erwägt die Einbeziehung Assads in die Friedensbemühungen um Syrien. Obama und Putin treffen sich angesichts der eskalierenden Flüchtlingskatastrophe und beginnender Völkerwanderungen in Washington. Das gesteigerte Interesse Russlands an einer Deeskalation der Region ist klar; Putin kann keinen IS an den Südgrenzen seines Großreiches gebrauchen. Der Bürgerkrieg in Tschetschenien war schon schlimm genug. Der russische Machthaber ist scheinbar auch dazu bereit, alles dafür zu tun, dass das Vertrauen des Westens in Russland und ihm selbst wieder positive Züge annimmt. Woher denn kommt wohl der plötzliche Friedenswillen der Ostukraine… Hier hat Putin offensichtlich klar Einfluss genommen und die militärischen Führer der abtrünnigen Teilrepubliken der Ostukraine zur Einstellung der Kriegshandlungen gezwungen. Somit steht Russlands Präsident urplötzlich als Friedensengel da und kann mit erhobenen Hauptes in die USA reisen. Seine Verhandlungsposition ist nicht die Schlechteste, denn schließlich hat er in Syrien bereits Tatsachen geschaffen und bereitet bereits seit Monaten eine Militäroffensive vor. Man muss klar zur Kenntnis nehmen, dass die Entscheidungswege im Kreml um einiges kürzer sind als die in den USA.

Endlich werden die Flüchtlingsursachen angepackt. Und somit ist auch die Perspektive der derzeitigen Flüchtlingseskalation eine bessere… Was bleibt ist aber ein politischer und gesellschaftlicher Scherbenhaufen. Der Osten Europas glänzte durch Inhumanität und asozialem Verhalten. Die CSU schließt Freundschaft mit einem ungarischen Brandstifter und versucht mit allen Mitteln, einen wahlspezifischen Benefit aus der gegenwärtigen Flüchtlingskrise zu holen und unsere eigenen, privaten Bekannten haben sich in den letzten Wochen und Monaten in einer Art und Weise geoutet, dass ich ihnen kaum noch gegenübertreten möchte.

Für mich selbst und meine Familie bedeutet die hierzulande geführte Diskussion um Aufnahme und Nichtaufnahme von Menschen, der losgelassene fremdenfeindliche Mob hüben wie drüben in unserem Land und vor allem der Hass in meinem nächsten Umfeld eine Zäsur sondergleichen. Ich muss mit nahestenden Personen in Arbeit und Bekanntenkreis täglich umgehen, die ganz offen von Vergasung reden oder am liebsten eine Atombombe nach Syrien abwerfen möchten. Ich muss Migranten erleben, die keine ‚Fremden‘ in unserem Land wollen und ich muss erleben, dass auch scheinbar gebildete Menschen irgendwelchen Populisten auf den Leim gehen. Das Schlimmste jedoch ist, dass geliebte Menschen aus meinem Umfeld unbedacht Artikel und Beiträge auf Facebook posten, die üblen rassistischen Charakter haben.

Der Gipfel der Unverschämtheit leistete sich das Hetzblatt der Nation: Die Bildzeitung „hilft Flüchtlingen“, nachdem sie über Jahre eine der schlimmsten Hetzblätter war. Wäre die Pedida-Bewegung ein Erfolg geworden, würde höchstwahrscheinlich in der Bild jeden Tag ein Artikel zur Unterstützung derselben stehen. Die ‚Fähnchen-im-Wind-Politik‘ hat ein leuchtendes Vorbild, die Bild-Zeitung. Und schaut man sich die politische Führung hierzulande an, dann ist es damit auch nicht anders bestellt. Eine Atom-Anti-Atom-Kanzlerin, eine für-und-dann-gegen-Flüchtlinge-Polititk, eine Donau-Begradigung, die dann um des Wahlkampfes willen vorerst wieder einmal abgesagt wurde, eine Griechenland-Politik, die erst den Grexit und dann die Bewahrung der europäischen Einheit möchte… Diese Wechselspiele verunsichern den einzelnen Bürger aufs Äußerste. Ein solcher Führungsstil schafft kein Vertrauen in die Politik und vor allem nicht in die Medien.

Und obwohl die Bild-Zeitung mit seiner durch die hohe Auflage resultierenden Verantwortung so lügt, verunglimpft und die Leser um der Auflagensteigerung willen verarscht, wird die Auflage weiter steigern. Zum Glück habe ich mir in meinem Leben noch kein Exemplar gekauft und ich werde es auch nicht beginnen. Jedoch sollten unsere Politiker ihren Konterfei nicht in dieses Blatt halten, denn sonst wird es ihnen bald so ergehen wie einem Wulff; sondern sie sollten viel eher dazu drängen, dass die Bild Schadensersatz für die unzähligen Brandstiftungen von Flüchtlingsunterkünften zahlt, denn sie hat schließlich die ‚braven Bürger‘ dazu angestiftet!!!

2 Kommentare zu DIE LÖSUNG LIEGT IN SYRIEN

  1. Es ist doch wirklich erstaunlich, wie wechselhaft die Meinungen sind.

    Da hat doch das „engagierte Volk“ den Politikern in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen, Sie würden zu wenig gegen den demografischen Wandel tun, das „deutsche Volk“ würde überaltern; wer soll unsere Renten zahlen, wer unsere Wirtschaft hochhalten, usw. usw. usw.

    Doch kaum haben wir die Möglichkeit, unserer Bevölkerung eine Frischzellenkur in Form des Zuzugs junger williger Arbeitskräfte zu verpassen, da wird schon das „nationale Verunglimpfungswerkzeug“ ausgepackt und man fürchtet um die „urdeutschen Werte“. Dabei besteht unsere Bevölkerung doch schon jetzt zu einem Fünftel aus Personen, die einen Immigrationshintergrund haben. Und wer hat in seiner Familie keinen Verwandten, dessen Vorfahren innerhalb der letzten 150 Jahre von irgendwoher nach Deutschland als eigentlich gedachte Zeitarbeitskraft gekommen und hier heimisch geworden ist. Ich erinnere da nur an die große Welle in den Jahren von 1850 bis 1875 oder nach dem Zweiten Weltkrieg als mehr als 12 Millionen (!) Flüchtlinge innerhalb von zwei Jahren in den Westen zogen. Damals war das Klima ähnlich unter den Sesshaften. Da wurden die Flüchtlinge (immerhin deutsche Staatsangehörige!) auch als arbeitsscheues Gesindel, Verbrecher und ähnlich haarsträubendes bezeichnet. Sie besetzten die unteren Ränge der Gesellschaft und sorgten mit für das anschließende Wirtschaftswunder, denn diese Leute hatten alles verloren und benötigten nicht nur das Lebensnotwendige, also Essen und Kleidung, sondern auch Wohnraum, Autos, Möbel, usw. Dadurch zog der Konsum an und unsere Wirtschaft florierte die nächsten 20 Jahre. Übrigens wurden damals die Flüchtlinge auf Ihrer Position als unterste Bevölkerungsschicht erst von den Gastarbeitern abgelöst, die in den 60er und 70er Jahren zuzogen. Deren Kinder und Kindeskinder betrachten sich mit Fug und Recht jetzt auch als Deutsche, denn Sie sind hier geboren und aufgewachsen, haben die „urdeutschen Werte“, mit denen wir uns brüsten, gleichfalls assimiliert, und das, obwohl viele von Ihnen ebenfalls Muslime waren oder sind.

    Wenn ich also einen Blick in die Zukunft wagen darf, so hoffe ich, dass viele von den neuen Mitbürgern hier heimisch werden . Denn dann wird der innerdeutsche Konsum in den nächsten Jahren explodieren, unsere Kultur wird bereichert, der Markt an Baudienstleistungen (der übrigens schon seit Jahrzehnten darnieder liegt) wird belebt und wir werden alle davon profitieren. Außerdem: wer soll denn die ganzen Dienstleistungen übernehmen, für die sich „die Deutschen“ immer zu schade sind? Sei es die Klofrau auf der Autobahn, der Pizzabote oder der einfache Bauarbeiter? Das trifft aber nur für den Teil der neuen Mitbürger zu, der keine Ausbildung hat. Wir bekommen jedoch auch sehr gut gebildete und ausgebildete junge Menschen quasi geschenkt. Das wird unserer auf Internationalität getrimmten Wirtschaft einen Schub geben, den ich mir in meinen Träumen nicht größer vorstellen kann.

    Und wenn wir dann in 30 Jahren glänzend dastehen, werden Länder wie Ungarn oder Tschechien, die ebenfalls unter der Vergreisung Ihrer Bevölkerung leiden, neidisch auf uns schauen und Probleme haben, die Renten für Ihre überalterte Bevölkerung aufzubringen. Dann bekommen diese Dinosaurier hoffentlich die Quittung für Ihre Regierungschefs á la Orban und Co. Dies trifft auch für solche Populisten im eigenen Land wie Seehofer oder Söder zu. Mündige Bürger sollten dies recht schnell verstehen.

    Klar ist natürlich: wir können nicht die ganze Welt aufnehmen. Klar ist auch, die EU-Politik muss mehr zur Konfliktvermeidung und -lösung in der Welt beitragen. Aber sehen wir die momentane Situation nicht als Gefahr sondern als Gelegenheit. Und seid alle nicht so bequem und geil darauf, Eure Pfründe zu behalten. Die meisten von uns haben den Reichtum, in dem Sie sich wälzen, nicht aus eigener Kraft geschaffen, sondern Ihren Eltern und Großeltern zu verdanken. Und gegenüber einem Asylanten sind mindestens 80% unserer Bevölkerung reich zu nennen.

    1. Vielen Dank für den aufschlussreichen Kommentar und den sehr lesenswerten Beitrag. So viel Mühe in solcher Ausführlichkeit geben sich nicht viele… Der Ernst des Themas und der Ernst der Lage machen aber solche Beiträge unabdingbar. Wenn Grönemeyer über „verbale Brandstiftung“ und über eine mangelnde bis gar keine politische Kultur bei den Seehofer & Co. spricht, dann hat er natürlich den Nagel auf den Kopf getroffen. Je mehr Menschen in unserem Lande das so sehen, desto besser. Leider aber hat die Bierzeltrhetorik und die CSU-Stammtischkultur hierzulande nach wie vor Priorität. Was den demografischen Hintergrund bei der derzeitigen Situation betrifft, so ist das Argumentierte schon vollkommen richtig und nachvollziehbar. Doch hatten wir nach dem Krieg nichts und somit auch nichts zu verlieren. Heute hingegen sind viele von uns stinkreich und müssten mit den Neuankömmlingen teilen – das geht aber nicht, wenn ich zu viel besitze. Deshalb wird jede Bewegung in Richtung weiterer Flüchtlingsaufnahme als naiv und realitätsfern bezeichnet. Um nicht weiter Öl ins Feuer zu gießen bleibe ich lieber bei dem Wohltätigkeitsgedanken, den Menschen aus Bürgerkriegsländern unkonventionell und humanitär zu helfen… Das Wort der sukzessiven Integration gepaart mit einer Multikulti-Gesellschaft enthält zuviel Sprengstoff, gerade eben für die unterpriviligierte Schicht und die rechten Kader… – da haben es die Brandstifter aus den Reihen Christsozialen einfach zu leicht…!!
      Ein Gruß allen Verwandten im Geiste – Danke!

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