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Aufruf zur ökologischen Umkehr!

Kaum ein Mensch erinnert sich noch daran, dass unsere blaue Donau einmal gelblich-bräunlich durch die Ottheinrichstadt floss und dass Globol seine Abwässer zum Teil ungeklärt hineinfließen ließ. Unsere neue Generation gewöhnt sich wieder daran, dass man sogar in ihr schwimmen kann und jedes Jahr tummeln sich mehr Touristen an dem großen heimatlichen Strom. Die Presse redet monate-, ja jahrelang über Schuldenkrisen und die Allmacht des Geldes und der Banken, während sich die Menschen in den Multimetropolen der Welt Gasmasken gegen den Alltagssmog anlegen. Nun ist durch unseren obersten Geistlichen endlich ein Zeichen gesetzt worden.

„Wenn die Politik nicht imstande ist, eine perverse Logik zu durchbrechen, und wenn auch sie nicht über armselige Reden hinauskommt, werden wir weitermachen, ohne die großen Probleme der Menschheit in Angriff zu nehmen.“ (Zitat Enzyklika). Einer der mächtigsten Menschen der Welt und oberste spirituelle Instanz von über zwei Milliarden Christen weltweit, hat es gewagt in einem 220seitigen Pamphlet auf die Missstände und auf die Verbrechen unseres zerstörerischen menschlichen Geistes aufmerksam zu machen und selbige Zerstörungswut anzuprangern. In seiner Enzyklika verurteilt Franziskus in erster Linie die Industrienationen des Nordens, maßregelt die Politik als verlängerten Arm einer rücksichtslosen und rein konsum- und profitorientierten Wirtschaft und fordert die Bevölkerungen der Industrieländer zum Konsumverzicht auf – das ist schlichtweg eine Kriegserklärung an das schonungslose Wachstumsprinzip unserer heutigen Welt.

Neu an der Blickweise der Kirche ist vor allem die höchst detaillierte Darstellung vieler Problematiken vom Klimawandel, dem Konsumverhalten Weniger und der Weckruf an die breite Bevölkerung durch eine Überprüfung der individuellen Konsumgewohnheiten grundlegende Änderungen herbei zu führen. Auf den Punkt gebracht sind diese Äußerungen Aufrufe zu einer Konsumrevolution, Aufrufe zum Umdenken und Appelle an die Umkehr in unserer verfehlten Weltklimapolitik.

Der Weckruf des Papstes als oberste Kircheninstanz der Christen wird seine Wirkung nicht verfehlen. Welcher Unternehmer, der was auf sich gibt, kann sich jetzt noch ruhigen Gewissens an die Maximierung seiner Gewinne auf Kosten der Umwelt heranwagen, ohne von der breiten Masse enttarnt und gebrandmarkt zu werden. Die Sensibilisierung der Massen hat mit der Enzyklika begonnen und vor allem die Kirchgänger werden von ihren Pfarrern und Pastoren auf die Umsetzung angehalten – und das Woche für Woche.

Wenn wir Christen die Botschaft Franziskus, die ja nichts weiter ist als die konsequente Umsetzung der Worte Jesu, ernst nehmen und nach ihr handeln, dann bekommt unser Planet vielleicht eine zweite, eine neue Chance. Der Aufruf des Papstes ist nicht nur ein Weckruf, sondern ein klares Bekenntnis zur Schrift und die pragmatische Aufforderung an jeden Einzelnen von uns zu handeln. Seine Empfehlung zu Fahrgemeinschaften und zum Boykott gewisser Konsumgüter sind praktische Beispiele aus einem Ratgeber zur Bekämpfung des unendlichen Sündenkatalog menschlicher Verfehlungen, den wir bereits alle aus unzähligen Reportagen und Skandalen heraus kennen. Was nun wichtig ist, ist die klare Brandmarkung aller nicht auf Nachhaltigkeit produzierter Güter; sei es die Gentechnik, die Plastik- und Verpackungsflut, die Massentierhaltung, die Ausbeutung aller fossilen Ressourcen, die Vernichtung des Regenwaldes, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Zum Thema Artensterben in der Tierwelt sagt Franziskus ganz bewusst: „Wer hat die wunderbare Meereswelt in leb- und farblose Unterwasser-Friedhöfe verwandelt?“ und trifft damit den wunden Punkt unseres Denkens mitten ins Herz, der da heißt ’nach uns die Sintflut!‘ Und weiter führt Franziskus aus: „Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln.“

Mit seinem Aufruf zur ökologischen Umkehr gibt uns Papst Franziskus zur rechten Zeit eine neue Aufgabe, an der sich die ganze Welt messen muss. Schließlich geht es nicht um die Erhaltung unseres Wohlstandes, sondern viel eher um den Ausgleich zwischen den reichen Ländern und Ärmsten dieser Welt, die diesen Wahnsinn seit Jahrhunderten bezahlen müssen und die für die Ausbeutung ihrer Heimat Höllenqualen erleiden.

Nach der neuerlichen Einmischung von Papst Franziskus in das wirtschaftspolitische Geschehen und dem klaren Appell an die Massen, das Verhalten jedes Einzelnen zu hinterfragen, macht er sich keine Freunde. Wenn die Wirtschaftsinteressen der westlichen Welt unter Druck geraten und Schaden nehmen, dann schwebt Franziskus womöglich von Tag zu Tag in höherer Lebensgefahr. Ein Anschlag auf sein Leben wird immer wahrscheinlicher – erinnern wir uns an das Kreuz an das Jesus geschlagen wurde. Er wollte die Menschen erlösen und bezahlte mit seinem Leben dafür. Papst Franziskus ruft uns auf gemeinsam für die Schöpfung zu kämpfen, um sie zu erhalten – wie hoch wird der Preis sein, den er dafür bezahlen muss?

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