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DIE VERROHUNG UNSERER SPRACHE

Als ich vor kurzem in einem Buchladen stöberte und nach Leseanregungen suchte, da kam ich ins Gespräch mit der Inhaberin. Sie empfahl mir den Roman „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee mit der Begründung, dass die Qualität der Sprache bei der Leserschaft wieder in den Vordergrund rückt. Poesie und Formulierungen, Beschreibungen und Selbstvergessenheit in der Erschaffung von Texten ist beim Publikum wieder gefragt und plötzlich steigt auch wieder die Nachfrage nach Böll, Heine, Mann und Hesse. Über Jahrzehnte wurde die deutsche Sprache verknappt, aufs Wesentliche reduziert oder durch die Einführung der sozialen Netzwerke verniedlicht, verkürzt oder total ins Unkenntliche verstümmelt. Genau an diesem Punkt, an dem uns die Romantik, an dem uns die Stille der Zeit fehlt, da keimt die Harmonie des Wortes wieder auf. Wir möchten uns wieder in einem Buch verlieren, wir wollen wieder die Ästhetik der Sprache in unserer Seele spüren – wir wollen wieder eintauchen in die Welten, die uns der Schriftsteller mitteilen und beschreiben möchte.

Wenn wir heutzutage in unsere Welt schauen und wir sehen die Ausgrenzung anderer Menschen und lesen den Hass und die Fremdenfeindlichkeit in den sozialen Netzwerken, und das oftmals in katastrophalem Deutsch, dann will der gebildete Mensch damit am liebsten nichts zu tun haben wollen, zeigt es doch nur allzu deutlich, was passiert, wenn der Mob Werkzeuge wie Facebook, Whats App, Twitter und dergleichen in die Hand bekommt. Die Verrohung der Sitten, der Sprache und die Suggestion von Gewalt und Unterdrückung finden dann in übelster Sprachqualität ihren Ausdruck und ein Niemand wächst im Nu zu einem gefährlichen Individuum heran…

Die Sprache selbst jedoch ist hohes Kulturgut und dient der Bildung als Gradmesser. Sie zu pflegen muss eines unserer höchsten Güter sein. Jeder siebte Erwachsene in unserem Land hat analphabetische Züge und es gibt sogar Schulabsolventen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Diese Tatsache zeigt nur allzu deutlich, welchen Stellenwert der Erhalt unserer Sprachkultur derzeit in unserem Land hat.

Mit dem Herbst und dem herannahenden Winter kommt die Zeit des Rückzugs auf uns zu. Die Natur zieht sich zurück und zeigt sich ein letztes Mal in atemberaubender Schönheit. Der goldene Oktober lässt seinen Glanz durch das Blätterdach des Waldes leuchten und der Waldboden ertrinkt im herabfallenden Laub. Die Tiere des Waldes bereiten sich auf die Kälte vor und verscharren noch eilig Vorräte… Nur der Mensch läuft herum wie von der Tarantel gestochen und muss im Jahresfinale, ganz entgegen seiner eigentlichen Natur, dreißig Prozent des Jahresumsatzes für das Weihnachtsgeschäft generieren. Er mutiert in der Zeit der schwierigsten Straßenverhältnisse, der geringsten Lichtausbeute und der widrigsten Verkehrsverhältnisse, zum regelrechten Räuber und schizophrenen Wahnsinnigen, nur um den Anforderungen der Masse und der Wirtschaft gerecht zu werden.

Nein, es beginnt nun die Zeit der Literatur. Die Buchmesse in Frankfurt öffnet ihre Pforten und gewährt Einblick in die faszinierende Welt des geschriebenen Wortes. Hier, im Geist der intellektuellen Hochkultur, werden die behandelten Themen greifbar und erlebbar. Es sind nicht die Bilder, die uns er- und verschrecken… Es sind die Formulierungen, die Begeisterungen, es ist die Anmut der Sprache, die uns entführt in andere Welten, die uns fasziniert und bewegt.

Jeder Mensch ist mehr oder weniger von der Literatur beeinflusst. Vielen von uns ist es gar nicht bewusst, wie das eine oder andere Buch von einem selbst Besitz ergriffen hat und ihn eben auch entsprechend geprägt hat. Viele Jahrzehnte lang versuchte das Fernsehen die Wirkung der Suggestion und Beeinflussung des Buches zu übernehmen und die Literatur mit bunten Bildern auszustechen, bis dann das Internet langsam und kontinuierlich die Kontrolle unseres Geistes unterjochte… Doch ist die Wirkung eines Buches unweigerlich mächtiger und größer, ist es doch der eigene Geist, der die Bilder zusammenstellt und aufbaut. Es ist die Symbiose von Schriftsteller und Leser, die die Bildung des Lesenden vorantreibt und die Phantasie neu belebt. Nicht von ungefähr kam der große Erfolg von Joanne K. Rowling mit ihren Harry Potter Büchern. Sie konnte zur richtigen Zeit die lang gehegte Sehnsucht der Menschen nach Abenteuern und Mystik befriedigen und bereitete den Boden für eine neue hungrige Leserschaft weltweit.

Lassen Sie sich insbesondere in der Vorweihnachtszeit nicht von dem Konsumwahnsinn unserer fehlgeleiteten Gesellschaft verführen und ziehen Sie sich zurück. Das entspricht unserer ureigenen Natur in den gemäßigten Breiten. Jetzt gilt es, alles zurückzufahren, sich für den Winter vorzubereiten und die Psyche neu zu erfrischen. Schauen Sie sich die Neuheiten zur Frankfurter Buchmesse in Ihrem Buchgeschäft an und erfreuen Sie sich an den neuen Werken der internationalen Schriftsteller – und vergessen Sie nicht: Es ist die Sprache, die Kommunikation, die uns Menschen verbindet. Sie zu hegen und zu pflegen, die Qualität und Anwendung kontinuierlich zu verbessern, ist eine Aufgabe, die wir unser Leben lang umsetzen können und müssen.

Rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse veröffentliche auch ich meinen neuen Roman Baumvater – Anfang Oktober ist dieser bei mir direkt oder bei meinem Verlag PC-United, Amazon oder libri zu erwerben. Ich freue mich schon heute auf die Veröffentlichung und auf viele Leser.

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