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GROSSE WELT – KLEINE WELT

‚Ich habe tausend Freunde – …und bin allein.‘ höre ich von einem Facebook-Junkie. ‚Ich höre damit auf, mich ständig übers Netz mitzuteilen. Das ist doch nicht ehrlich – und vor allem gefährlich.‘ höre ich von mir nahe stehenden Personen. Die große Welt ist durch das Netz klein und handlich geworden. Per Knopfdruck ist sie genau so groß wie wir sie möchten. Und doch bleiben wir Menschen auf der Strecke. Die Anzahl von sogenannten Freunden spezifiziert Einzelpersonen zu Gewinnern und Verlierern. In Windeseile können wir via Twitter und anderen Plattformen Stellung zu beliebigen Themen nehmen und somit angeblich und suggeriert Einfluss auf Entwicklungen nehmen. Der Einzelne kann Einfluss nehmen… – und verkümmert. Denn die heutige Einflussnahme hat nichts mit wahrem Engagement für eine Sache zu tun – so lässt sich auch die Politverdrossenheit von so vielen Mitbürgern erklären. Die Oberflächlichkeit hat Macht über uns gewonnen und wir glauben, dass dies die Realität ist. Die Problematik ist, dass die neuen digitalen Techniken und Möglichkeiten, die wir haben, technisch bis ins Detail erklärt werden, aber die Psyche des Individuums außer acht lassen. Es gibt bei der Anwendung der digitalen Medien und Werkzeuge keine Prävention, keine Suchtprävention. 16 Gigabyte Festplatte und 4 Gigabyte Arbeitsspeicher im Handy unterscheiden nicht zwischen Dick und Dünn, intro- oder extrovertiert. Das unendlich scheinende Angebot der sozialen Netzwerke macht keine Unterschiede zwischen schwachen und starken Charakteren; noch schlimmer: es seziert unsere Gesellschaft in verschiedene Klassen. Zu dieser großen Polarisierung hinzu gesellen sich dubiose Geschäftemacher, die über Auswertungen und Marketing-Werkzeuge die herausgefundenen Stärken und Schwächen aller Teilnehmer analysieren und daraus Profit schlagen – dieser grausige Mix läuft unter dem Titel ‚Moderne Marktwirtschaft‘, ist aber nichts weiter als ‚Unlauterer Wettbwerb‘, Verletzung von Persönlichkeitsrechten und seelische Körperverletzung. Die Folgen vieler Fehlentwicklungen sind bereits jetzt absehbar. Wir erleben in unserer westlichen Gesellschaft einen sprunghaften Anstieg an psychischen Erkrankungen, Mobbing, Vereinsamung und Isolation von Jugendlichen wie Senioren. Und als ob das alles nicht reicht nehmen die Verabredungen von Gewalttaten mittels der schnellen allgegenwärtigen digitalen Medien rasant zu.

Wir haben dem Zuwachs und des Wohlstandes wegen unsere Werte und Grundsätze aufgegeben und billigst an den Meistbietenden verschachert. Wir verhökern unsere Senioren, unsere Großeltern, an ein dubioses Massenabfertigungssystem, dass unsere einst geliebten Verwandten und die Wurzeln unseres Selbst mit Abfallprodukten ernährt, sie zum Teil misshandeln oder mit Medikamenten ruhig stellen (meistens um einen höheren Pflegestufensatz von der Krankenkasse zu ergaunern), um sie dann würdelos sterben zu lassen und zu entsorgen. Jedoch kommt vor der Entsorgung noch das Abräumen aller Konten durch gesetzliche Vormünder, die nach einem klug konstruierten Schema das Restvermögen zugunsten der Institutionen aufteilen. Wir lassen es zu, dass Freundschaften wegen Rufmord im Internet zugrunde gehen und sehen es als ganz normal an Einzelne im Netz zu mobben, ohne Rücksicht auf das individuelle Befinden desjenigen. Wir erlauben uns eine Meinung zu einem sozialen Thema, etwa zur Flüchtlingsaufnahme, ohne jemals auch nur einen Finger für einen anderen Menschen krumm gemacht zu haben. Wir demonstrieren gegen Fremde und für unseren Wohlstand und schleppen unseren 3-Zentner-Körper jeden Abend vor die mediale Allmacht, um ihn weiter mit Industriedreck zu verseuchen… Wir freuen uns über die Natur, über die schönen Bilder von Vogelparadiese und schütten Gift in den Dorfweiher, weil die Frösche so laut quaken. Wir lieben Kinder und zeigen den Kindergarten wegen Lärmbelästigung an. Wir begehen einen Verkehrsunfall und verdrehen die Schuldfrage, weil wir ja rechtsschutzversichert sind…

Natürlich ist eine Schimpftirade nicht das probate Mittel, um ein ganzheitliches Nachdenken zu erzeugen. Jedoch kann ein Lösungsansatz nur sein, uns Menschen mittels Überspitzung von Themen und Verfehlungen wieder für das primär wichtige zu sensibilisieren – nämlich das Leben und die Einfachheit des Lebens selbst. Denn wenn der Storch auf dem Schornstein klappert, dann ist es logisch, dass die Exkremente auf dem Dach landen. Wenn der Luchs in den Bayerischen Wald zurückkehrt, dann wird er ein paar Rehe reißen.

Wenn wir phasenweise auf das Internet verzichten; denkbar wäre so eine Art Fastenzeit; – dann werden wir unsere Sinne wieder für die Umwelt schärfen. Wenn wir im Urlaub nicht weg fliegen sondern weg wandern (natürlich ohne digitale Hilfsmittel), dann werden wir unsere nächste Umgebung wieder mit anderen Augen sehen – dann werden wir uns selbst wieder erkennen oder neu kennen lernen. Es ist doch der maßvolle Umgang mit allem, der uns leben und wachsen lässt. Es geht nicht darum, unsere neuesten Errungenschaften zu verteufeln, sondern nur darum den Nutzen daraus zu ziehen. Nicht die Technik muss Herr über uns sein, nicht der Alkohol oder die Droge diktiert unseren Alltag, nicht das Fernsehprogramm bestimmt unsere Freizeitgestaltung, nein, es ist genau umgekehrt! Wir müssen der Meister über die Gewalten sein – wir müssen den Taktstock schwingen. Dann können uns die Süchte und das Suchtverhalten nicht erreichen. Es ist wie das Gleichnis der 40 Tage Jesu in der Wüste… – der Teufel versuchte es ein ums andere Mal den Herrn zu verführen… – und scheiterte erbärmlich. Doch waren die Versuche des Teufels nicht die schlechtesten… – und ist ein einfacher Mensch der Verführung ausgesetzt, so ist das Ergebnis häufig dasselbe – das ist die Masche der Industrie…, das ist die Masche des Konsums und des Kapitalismus. Der mündige selbstbewusste und selbstbestimmte Mensch jedoch hat genügend Kraft und Urvertrauen den Verführungen zu trotzen, sofern er es denn will und auch gelernt hat…

Die Welt ist riesig, die Welt ist gigantisch – auch wenn uns das Internet uns etwas anderes vorgaukelt. Lauf‘ doch mal von Deinem Zuhause los bis nach Rom oder Madrid, oder nach Warschau oder Moskau – lauf‘ doch los und lerne die Welt kennen. Ein Kaminfeuer auf dem Bildschirm wärmt nicht – die schönen Bilder unserer Welt, HD-Quality auf 22 Zoll sind nur Fiktion und nicht Wirklichkeit – gehe in den Garten und nehme zwei Schnecken und verschmiere den Schleim zwischen Deinen beiden Handflächen; das ist das pure Leben – gehe in den Garten und pflanze einen Baum, und Du hast den ersten Schritt gemacht – beobachte einen Specht und sieh‘ hin was er tut… – höre einem Menschen zu und entlasse ihn erst aus dem Gespräch, wenn Du dir sicher bist, dass es ihm besser geht – sei für andere Menschen da, und es geht dir spürbar besser; jeden Tag…

Vertraue auf Dein Selbst und lass‘ dich nicht benutzen… – Keine Technik der Welt wird dich je ersetzen können – Du bist einzigartig!

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