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„ICH TRAU MICH NICHTS MEHR SAGEN“

Wer Angst hat, geht in eine Abwehrhaltung und stellt sich gegen jedwelche Veränderung. So argumentiert die Psychologie, wenn sie das Phänomen „Rechtsruck“ in der Gesellschaft erklären möchte. Natürlich sind es in erste Linie die Bildungsschwachen, die Ausgegrenzten, die Wendeverlierer oder die leicht- bis schwerkriminellen Elemente unseres Landes, die sich gerne für rechte Gewalttaten begeistern lassen – schließlich ist ja sonst wenig los außer tristem Alltag in Deutschland. Angeturnt von den Leitparolen einer CSU und AfD, die mit ihrer Obergrenzendiskussion und der nicht abreißen wollenden Kritik an der Kanzlerpolitik die Gesellschaft spalten, spüren die Brandstifter Rückenwind und zünden ein Flüchtlingsheim nach dem anderen an.

Gerne reden unsere Politiker über unser freiheitliches System, über die Offene Gesellschaft und den Grundwerten von Frieden und Freiheit. Was sie dabei übersehen, ist, dass egal ob wir das Integrationsproblem stemmen oder nicht, die Bevölkerung sich mittlerweile kaum noch traut, öffentlich Stellung zu nehmen. Wer sich auf die eine Seite stellt, wird als naiv abgewertet, und wer eine harte Linie vertritt, der wird als Nazi abgetan. Tatsache ist, dass das Vorteilsdenken der rechtspopulistischen Parteien und der Ruf nach Einwanderungs- und Integrationsstopp, sowie das Einführen einer Obergrenze zu einer tiefen Verunsicherung bei uns allen beiträgt. Der Einzelne wird unmündig und bleibt in seinem Meinungsspektrum oft allein.

Verschleiert, aber dennoch klar zu erkennen sind die Egoismen der Presse, die durch die Verbreitung von Negativschlagzeilen Auflagensteigerungen wittert und so weiter in loser Folge auf dem Hetzlevel bleibt – eben ganz nach Stimmungslage… Auch die Speerspitze Seehofers probiert sich in verlässlicher Regelmäßigkeit in fremdenfeindlicher Rhetorik, um den „Strengen Deutschen“ zu markieren und dem rechten Rand eine Heimstatt zu geben. Das Ganze ergibt zwar Unannehmlichkeiten, etwa für den Horst auf dem Parteitag der CDU in Karlsruhe, gibt aber der Partei Zusatzpunkte und -prozente, und passt somit ins Machtkalkül des Politikverstandes einer ausgefuchsten Machtorientierung.

Sei es wie es will, die Leute auf der Straße halten immer häufiger mit ihrer Meinung hinter dem Berg und insgeheim sehnt sich jeder nach der guten alten Zeit, in der die Kriege weit weg waren und wir mit unserem Scheckbuch die Katastrophen dieser Welt retuschieren konnten. Diese Zeiten sind nachweislich und für alle Zukunft vorbei und wir werden uns darauf einstellen müssen, dass wir mit unserer eigenen Meinung ebenfalls weitreichend isoliert werden können. Europa lebt uns die mangelnde Solidarität vor, und wer von den bösen Osteuropäern spricht, der sollte sich auch einmal über Frankreich, Spanien und England brüskieren.

In der Frage nach der Bewältigung der Flüchtlingskrise ist auf Europa kein Verlass, was aber nicht heißt, dass die Föderation auseinanderfallen muss. Schließlich kann es ja auch sein, dass unsere Politik die falsche ist… Der Ruf nach einer sicherungsfähigen Außengrenze, etwa mit Schwerpunkt in Griechenland, wird immer lauter und auch wahrscheinlicher. Denn der Trip unserer Regierung in den Hintern Erdogans, einem nachweislich ausgewiesenem Despoten und Diktator, war überhastet und völlig unnötig. Wir hätten viel eher den europäischen Zusammenschluss suchen müssen, um über Frontex eine Grenzsicherung zu gewährleisten. Somit wären wir von der Türkei unabhängig gewesen und müssten nicht ständig auf die Erpressungsversuche dieses Größenwahnsinnigen reagieren.

Der „Wenn und der Hätt’“ werden uns nicht aus der Krise führen – jedoch wird Deutschland auch kein ständiges Hinbetteln an die europäischen Partner um die Aufnahme von Flüchtlingskontingenten helfen. Tatsache wird bleiben, dass Deutschland, egal was Rechts oder Links oder in der Mitte auch diskutiert wird, aus der Flüchtlingskrise durch die Gewinnung von Arbeitskräften volkswirtschaftlich gestärkt hervorgehen wird und wir in der großen Anzahl der Menschen Freundschaften über Generationen initiieren, die dann wiederum in Loyalität, Dankbarkeit und Leistungsbereitschaft jeden Einzelnen auf uns zurückfallen wird!

Und mal ganz ehrlich: Natürlich ist es möglich, jedes Jahr eine Million Flüchtlinge aufzunehmen – jedoch geht das nicht mit dieser politischen Denkweise, der ständigen negativen Schlagzeilen, mit einer rechtsextremen Begünstigung durch Kräfte der politischen Mitte und mit einer Presse, die teilweise den Namen nicht verdient. Was viele in unserem Land oft vergessen, ist doch, dass jeder zweite Haushalt dasselbe Tagesblatt in Händen hält – und hier wird Tor mit fünf „o“ geschrieben… Und in diesem Blatt jagt der Schwarze üblicherweise und dem Vorurteil geschuldet die „blonde deutsche Frau“!

Diesem Mangel an Gradlinigkeit und stupiden Herausrufen von Hassformeln gilt es den Kampf anzusagen. Denn die Politikwissenschaft hat recht, wenn sie sagt, dass der, der an der Krisenbewältigung durch Leistung und Engagement mitarbeitet und hilft, überhaupt keinen Gedanken darüber verliert, ob die Aufnahme und Integration nun richtig sei oder nicht – denn schließlich geht es um Menschen, um Nächstenliebe und um Christentum und Christen-Tun!

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