KONTRASTE…

Als die Wiesenweihe elegant über den abgeernteten Ackern der hiesigen Bauern mit einem Abstand von knapp einer Menschenlänge zum Boden, in den wechselnden Winden dahin glitt, erinnerte kaum etwas daran, dass dieser wunderbare Greif mit seinen blau-weißen Schwingen in unseren Breiten nahezu ausgerottet war. Erst machte diesem Unikat unter allen Greifen, wie auch vielen anderen Vogelarten, das Pflanzenschutzmittel DDT zu schaffen, das die Eierschalen des Nachwuchses unter dem Gewicht der Brutvögel zerbrechen ließ, dann wurde durch neue Graszüchtungen der Erntetermin für den ersten Grasschnitt immer weiter in die Brut der Wiesenweihen hinein verlegt, so dass beim Ernteschnitt den meisten Jungvögeln die Köpfe herunter geschnitten wurden, ehe dass sie sich auch nur ein einziges Mal in die Lüfte hätten schwingen können. Mittlerweile werden die Bauern entschädigt, wenn sie eine Wiesenweihe samt Nest entdecken und „es verschonen“… Leider halten sich nicht viele Landwirte daran und so ist es nach wie vor ein echtes Erlebnis, einen dieser Prachtvögel beobachten zu dürfen. Wenn sie auf der Jagd sind, dann gleiten sie im Gegensatz zur Kornweihe mit einem Abstand von über zwei Metern zum Boden dahin und reagieren auf die geringste Bewegung der Beute mit einem waghalsigen Greifmanöver, um die Beute flugs im Entdeckungsmoment zu schlagen. Nur die Wiesenweihe wendet diese Jagdmethode an, die naturgemäß von etlichen Fehlversuchen gekennzeichnet ist, dem Betrachter aber ein Spektakel bietet, das im Reich der Natur seinesgleichen sucht… Vergleichen wir es ruhig mit der Liebe auf den ersten Blick samt Heiratsantrag, Hausbau und Familienplanung – und das alles innerhalb der ersten Sekunden des Kennenlernens…

Geschrei weckt mich aus meiner Mittagsruhe. Über meinem Haus fliegen Hunderte und Aberhunderte an Graugänsen in ihre Winterquartiere an der Donau. Seit einem Jahr bleiben bei uns die Jagdbomber am Boden, weil für den Militärflughafen eine neue Startbahn gebaut wird. In den letzten Jahren konnte ich den Zug der Wildgänse nicht vernehmen, zu groß war der Fluglärm… Doch in diesem Jahr sind die Gänse präsenter denn je und suchen sich ihre angestammten Lieblingsplätze entlang der Donau. Leider empfinden es viele Anwohner in den Städten als Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität, wenn die Gänsescharen aus den Auen rufen, oder die Uferregionen mit ihren Kot beglücken. Schon wird der Abschuss oder die Reduzierung der Populationen gefordert – da ist scheinbar der Lärm eines Militärflughafens um einiges wohltuender, möchte man meinen…

Das Auenzentrum nahe Neuburg ist ein Vorzeigeprojekt und bietet Jung und Alt ein sehr anschauliches Bild über die Zyklen der Natur in unseren Breiten. Dem Betrachter wird auf nahezu wissenschaftliche Art und Weise das symbiotische Verhältnis der Waldbewohner anhand vieler Beispiele zu der Auenregion näher gebracht. Es mutet fast schizophren an, fährt man auf der Hauptstraße vorbei an dem Donauauenzentrum in entgegengesetzter Richtung zur Donau. Denn dort erblüht ein Autotestgelände mit Rennstrecke, Bremsenprüfstände, jeder Menge Beton und einem Tower und hunderte, ja tausende von Fahrzeugen, Mitarbeitern und vielem mehr. Viele hundert Arbeitsplätze wurden hier geschaffen und der Ausbau der Fahrspuren durch die Donauauen ist das nächste Projekt, das auf Genehmigung und Umsetzung wartet. Vierspurig durch die Donauauen, vorbei am Auenzentrum, das ist echter Fortschritt!

Ist es nicht schön, wenn morgens und abends auf dem Weg zur Arbeit die Fuchsfamilien an den Straßen spielen. Wie entstellt und grausam sieht so der Leichnam eines Jungfuchses aus, der von einem Auto überfahren wurde und blutend, zuckend mit dem Rest Leben ringt, was ihm nach dem Aufprall noch bleibt. Die kalte Novembernacht wird den Rest erledigen und der süße kleine Fuchs ist mit einem Male ein „giftiger Kadaver“ – Hände weg!

In diesem Jahr war einer der Höhepunkte der auf den Sumpfwiesen ausgetragene Futtermarsch der sechsköpfigen Storchfamilie. Schöner, harmonischer und idyllischer könnte ein Naturschauspiel nicht vollbracht werden. Und schon ist man geneigt zu sagen, es folgen nun sechs Monate Glück oder der eigene Nachwuchs beschert den stolzen Eltern die ersten Enkel. Ja, der Storch ist zurück, und mit ihm der Silberreiher, der Gänseseeger, der Schwarzspecht, der Uhu, der Wanderfalke, und auch der Huchen in der Donau wird vermehrt… Es tut sich was und wer genau hinschaut, sieht eine bisher kaum dagewesene Tiervielfalt. Freuen wir uns und vergessen darüber hinaus nicht, dass es den immerwährenden Einsatz und die Liebe selbstloser Naturliebhaber bedarf, um den Zustand unserer Heimat auf diesem Niveau zu erhalten. Bei all‘ den Krisen dieser Welt, so ist mein Eindruck, haben die Krisen der Natur und der Schöpfung die kleinste Lobby. Und das, obwohl wir uns alle an ihr bedienen, sie ausbeuten und im Grunde ohne sie gar nicht leben können.

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