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LESEABEND ÜBER DIE DONAU

Es war ein schöner Abend und ein aufschlussreicher Exkurs hin zum großen Strom, der uns doch mit seiner beschaulichen Ruhe, mit seiner Wildheit und Kraft, mit seinem wundervollen Gleichlauf und Verlässlichkeit, jeden Tag neu inspiriert. Ob Esterhazy oder Stifter, ob die unzähligen Zuflüsse und Windungen des Verlaufs oder die vielen Mythen und Sagen über unsere so mächtige Wasser-Lebensader; vieles kam zur Sprache und ließ die Donau in ihren vielen Farben, die sie im Verlauf der Jahreszeiten und sogar im Verlauf eines Tages dem Chamäleon gleich wechselt, erstrahlen in gleißendem Licht und unvergesslicher Atmosphäre…

Für den gestrigen Lese- und Vortragsabend von Rita Juliane Kunze im Café Wortschatz zu Neuburg bin ich sehr dankbar, hat er mich doch wahrhaft inspiriert. Als gegen Ende der Zusammenfassung die Gedichte der Vielen, die sich der Faszination des großen Stroms nicht entziehen konnten, uns vorgetragen, so war ich glücklich und zufrieden mit all‘ meinem Tun zur Genüge für die Literatur, der ich mich zuweilen gedankenlos verschrieben.

So bin ich nun neu aufgetankt und weiß für eine kleine Zeit im Universum um die Bedeutung jeder Zeile, um die Bedeutung der Literatur für jeden von uns, auch, wenn er davon für sich selbst noch nichts zu erkennen vermag. Unser Auftrag, der der schriftstellerischen Gesinnung, ob an der schaffenden oder der vertreibenden, ist, weiter zu machen mit dem Geist der Aufklärung und dem Anspruch unseren Beitrag zu leisten, zu entfliehen über die Sprache der Träume und Traumwelten.

Als Dank und Hommage an den gestrigen Abend eines meiner Lieblingsgedichte, das ich vor vielen Jahren dem erlösenden Wasser meiner neuen Heimat widmete:

 

Die Donau – Strom meiner Heimat

Schlendere ich durch deine Auen,

jeder Schritt,

jeder Tritt,

auf Watte,

auf Federn,

jeder Meter etwas leichter,

bis ich fliege mit deinen Wassern dahin.

 

Die Horden der Gier

drücken an deinen Ufern,

sie beschmutzen dich,

sie benutzen dich,

wollen dich begradigen,

berauben deiner Auen,

dich berechnen,

dich vergiften.

 

Jeder Meter,

jeder Liter deiner Anmut

kalkuliert und ausgerechnet.

Mein Geist schreit nach Kampf,

nach Revolution.

Das Herz indes

weilt in deinen Armen.

 

Liebliches Rauschen deiner Wasser

lässt mich friedvoll träumen

im Wachen,

bringst mich zum Lachen.

Besuche ich dich oft

in Zweifel und Trauer.

 

Das, was mir täglich

geht anheim,

trage ich zu dir,

auf dass du es fortnimmst,

den Geist neu aufzufüllen

mit deiner Liebe.

 

 

..aus „Du sprichst mich an“ (Kontrast-Verlag – ISBN 3-935286-40-6)

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