NEBELMÄNNCHEN TANZEN…

Welch‘ ein Glück habe ich doch, hier, an den Ufern der Donau leben zu dürfen. Jeden Tag hält dieses Wasser eine andere Farbe, ein anderes Wasser und völlig neuartige Motive für mich parat.

Das Licht gleißt in diesen Oktoberstunden über die seidig glänzende Oberfläche dahin – ruhig und beschaulich; einladend zu verweilen, mit meinen Gedanken gedankenlos zu sein.

Ja, hier bin ich zuhause und möchte ich nicht mehr weg. Die Nebelmännchen, die wie kleine Gedankensäulen in den frühen Morgenstunden auf den Wassern tanzen, mögen wie all‘ jene Brüder und Schwestern im Geiste sein, die mit uns in Gemeinschaft leben und handeln – und, ganz ausdrücklich sollen alle genannt sein.

Die Natur und die Naturgewalten machen keinen Unterschied zwischen den Andersartigkeiten der Bewohner, die ihr in jeder Sekunde ausgeliefert. Nur, und das ist die Wesentlichkeit, die Natur verzeiht keine Fehler und vergibt auch keine zweite Chancen.

Es gibt deren viele Gründe, uns zu hinterfragen, wie wir mit unserer Schöpfung umgehen. Das Unwiederbringliche ist verloren und die verlorene Ästhetik wird unsere Sinne nicht mehr liebkosen. Die Tristesse wird unser neuer Partner, vergehen wir uns an dem geliehenen Meisterwerk des Meisters.

Es ist ein unverzeihlicher Frevel, dem schnöden Gelde wegen, Geschäfte mit der Schöpfung zu betreiben. Noch eklatanter ist dies, wenn es im Namen der Christlichkeit passiert, steht doch ausdrücklich geschrieben, dass wir zum Schutz und zur Pflege aufgerufen.

 

Nebelmännchen tanzen…

 

Feine Säulen verdichteter Luft

schmücken die ruhende Fläche,

derweil die Sonne steigt

über den Wipfeln empor.

 

Das Licht gleißt im morgendlichen Nebel

und die Nebelmännchen grüßen

verkünden den Goldenen Oktober.

 

Die Auen schimmern in allen Farben

der Herbst bedeckt den Boden

bunt und anschmiegsam.

 

Im Spiegel des Stroms

verkehrt sich das Wunder

wird sichtbar mit aller Pracht.

 

Und doch ist im Spiegel alles anders,

andersherum und doch dasselbe.

 

Stelle ich mich vor meinen Spiegel,

so sehe ich mich – und so bin ich es nicht,

kann mit mir reden und fragen,

ob ich es bin…

 

Nebelmännchen tanzen und laden mich ein,

neue Schritt zu wagen,

neue Wege zu gehen,

neue Gedanken zu denken.

 

Ist es nicht ein großes Glück,

hier zu sein…

 

Bernd Bredendiek (2018)

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