STADT GEGEN LAND

Zusammen gehört, was unvereinbar scheint…

Das Auseinanderdriften zwischen Stadt und Land gerät in Deutschland immer mehr zum gesellschaftlichen Faktor bei der Bewertung der konkurrierenden politischen Kräfte. Verteidigen die Bürgerinnen und Bürger auf dem Land ihren Diesel, wird selbiger in der Stadt verteufelt und bekämpft; fördern die Kommunen in den Städten den ÖNV so werden auf dem Lande Buslinien aus Kostengründen von den Kommunen blockiert und ausgebremst; ist die Digitalisierung in den Ballungszentren auf zeitgemäßem Stand so gibt es allein in Bayern 380 „weiße Flecken“ ohne Mobilnetz…; beschweren sich die Einwohner in den Städten über die zunehmend schlechtere Wasserqualität so demonstrieren die Bauern mit grünen Kreuzen für ihren Berufsstand und damit verbunden teilweise für den weiteren Einsatz von Pestiziden…; fühlen sich Dorfansässige von dem immer stärker werdenden Schwerverkehr auf den Kreis- und Staatsstraßen belästigt so besteht der Staat auf den problemlos fließenden Verkehr! – und so könnte die Liste der kommunalpolitischen Verfehlungen und Verwicklungen endlos weiter geführt werden. Tatsache ist, dass Politik nicht zwei Herren dienen kann und so wird es wohl immer Gewinner und Verlierer in diesen Interessenskonflikten geben…

Tatsache ist aber auch, dass Geld nicht unbedingt auf dem Land verdient wird und dass zunehmend mehr Menschen aufs Land ziehen, weil die Mieten und die Grundstücke in den Klein-, Mittel- und Ballungszentren in wirtschaftlich erfolgreichen Gegenden kaum noch bezahlbar sind. Das Ergebnis ist eine Vermischung der Dorfbevölkerungen mit sogenannten „Auswärtigen“, was von der „eingeborenen“ Bevölkerung nicht immer besonders wohlwollend aufgenommen wird. Dazu kommt, dass die zunehmende Digitalisierung auf dem Lande für Nachwuchsprobleme bei den hiesigen Vereinen sorgt. So klagen immer mehr dörfliche Vereine über einen erheblichen Nachwuchsmangel, der die Arbeit vieler traditionsbewusster Zünfte absolut infrage stellt. Die einen antworten mit z.B. Fusionen von Schützenvereinen oder sogenannten JFG’s im Fußball, die anderen stellen notfalls sogar den Spielbetrieb ein… – das war es dann! Schuld sind aber in keinem Fall die Jugendlichen, denn die orientieren sich am Angebot, dass sie über ihr Mobiltelefon oder überhaupt im Netz erhalten… – da ist schlichtweg ein Rock’n’Roll-Club attraktiver als der Trachtenverein…

Schwierig wird es halt dann, wenn vor lauter Uneinsichtigkeit horrende Gelder in sterbende Strukturen investiert werden, wo doch die Moderne bereits vor der Türe steht und Investitionen in die Zukunft erforderlich wären, wie z.B. Ganztagsbetreuung im Kindergarten, Ausbau der Pendelbustaktung, Erschließung von Radwegen, autarke Energieversorgung oder die Versorgung von Senioren (Seniorenheim, betreutes Wohnen) vor Ort etc. etc. etc.

Der ländliche Raum erlebt durch die Digitalisierung einen nie dagewesenen Umbruch. Die Herausforderung muss darin bestehen, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden und sich leider gegebenenfalls von dem einen oder anderen sterbenden Verein zu verabschieden. Die Interessenlagen jedes einzelnen Bürgers klaffen zum Teil himmelweit auseinander und je mehr Veränderungen auf die Menschen zukommen, desto mehr erhalten angstverbreitende politische Organisationen, wie z.B. die rechtsnationale AfD Zulauf. Diese tun sich angesichts der Umbrüche besonders leicht mit rückwärtsgewandten Themen und inhaltlosen Versprechungen verunsicherte Bürger auf ihre Seite zu bringen. Umso wichtiger ist es, dass sich die ländlichen Regionen in ihrer Entwicklung nicht von den Städten komplett abhängen lassen. Es gilt umso mehr, in die Infrastruktur, in Gewerbe, Digitalisierung und Kinderbetreuung zu investieren. Es muss darum gehen, die Heimatgemeinde interessant für Zuzug und lebenswert für die Gemeinschaft zu gestalten, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern…

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