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ZÄUNE GEGEN NOT UND ARMUT

Der Rechtsnationalismus greift um sich und schart in der gegenwärtigen Zuwanderungssituation durch Flüchtlinge und Asylsuchende einen immer weiter aufkeimenden Nährboden für Rechtsextremismus in Europa. Der Zaunbau in Ungarn ist ein weiteres Indiz für die Orientierungslosigkeit unserer Europäischen Union. Die Vorgehensweise Ungarns stößt bei uns naturgemäß sauer auf, doch ist auch hierzulande der Fremdenhass greifbar geworden. Pegida hat in Dresden über ein Jahr lang den Nährboden gelegt und die AfD-Übernahme Petrys gibt dem rechten Rand eine neue Heimat, vor allem aber einen „rechtmäßigen Wirkungskreis“ mit einem scheinbar anerkannten politischen Anführer.

Vorbilder des Zaunbaus gibt es jedoch auf der ganzen Welt. Die Amerikaner haben an der Grenze Mexikos schon seit Jahrzehnten eine Barriere aufgebaut und diese mit zigtausenden Grenzsoldaten bestückt. Australien bezahlt die Nachbarstaaten für die Aufnahme von Flüchtlingen und finanziert eine ganze Marineflotte für deren Abwehr. Griechenland benutzt die Flüchtlingssituation teilweise als Druckmittel bei den Verhandlungen mit der EU um weitere Hilfsgelder. Wären diese Verhandlungen gescheitert, hätten die Hellenen wohl die Grenzen geöffnet und ganz Europa mit Flüchtlingen geflutet. Ob Nordafrika, Südeuropa, der Balkan, Südamerika oder der ferne Osten – eines haben alle Flüchtlings- und Asylregionen gemeinsam: Es sind Barrieren des Wohlstandes gegen Kriegselend und soziale Armut. In dieser Situation, die der Kapitalismus und der westliche Wohlstand durch seine asoziale Weltpolitik hervorgerufen hat, versucht nun Staat für Staat, sich durch Zaunbau und Barrikaden vor der Verantwortung zu drücken. Tatsache ist doch, dass der Westen für alle ursächlichen Probleme der betroffenen Krisenstaaten hauptverantwortlich ist. Schließlich haben die USA, Deutschland, die EU und Russland die meisten Waffen in die Krisenregionen geliefert. Schließlich haben wir durch die Ausbeutung von Rohstoffen die afrikanischen Krisenstaaten an den Rand des Abgrundes geführt und ersticken sie nun auch noch mit unseren Billigexporten an Textil- und Lebensmitteln. Und wenn es nicht schon reichen würde mit der Inhumanität, dann bauen wir auch noch Zäune und Mauern aus Beton, um uns gegen den Ansturm der Verzweifelten zu wehren. Der Einzige, der die Wahrheit beim Namen nennt ist Papst Franziskus, der die Macht des Kapitals aufs Äußerste anprangert und dazu aufruft, mit den Armen und sozial Benachteiligten Menschen unseres Planeten solidarisch umzugehen. Zudem rief er jüngst zur ökologischen Umkehr auf. Und wie so häufig lächelt die Politik und das Kapital über die Infantilität eines alten Mannes und über dessen Naivität und installiert womöglich als nächstes Selbstschussanlagen an den Zäunen…

Leider sind wir erst am Anfang einer grausamen Entwicklung, die wahrscheinlich ihren Höhepunkt dann erreichen wird, wenn die ersten Menschen an den Grenzen des Wohlstandes erschossen werden. Denn wenn die Aufnahmefähigkeit des Westens überschritten wird, dann wird sich die sogenannte Wohlstandsgesellschaft wehren und alles dafür tun, dass die Flüchtlingsströme aus den Entwicklungsländern und Kriegsgebieten abgewehrt werden – und das mit allen Mitteln.

Wie kann eine Lösung aussehen? Angesichts der globalen Krisenherde ist es mit Sicherheit nicht förderlich, zwischen Ost und West, Nord und Süd, mentale Grenzen zu ziehen und weitere Konflikte, wie etwa den zwischen Russland und den USA weiter zu forcieren. Schließlich war das Gerangel um die Ukraine wohl eher ein wirtschaftlicher Disput zwischen dem Westen und dem Osten. Die weitere Vereinnahmung wirtschaftlicher Territorien vor der Grenze einer einstigen Supermacht konnte nicht weiter hingenommen werden und so steht auch die Politik der Annäherung der einstigen Klassenfeinde vor einem Scherbenhaufen. Die jüngste Kooperation der Kontrahenten bei der Umsetzung des Atomabkommens mit dem Iran hat deutlich gezeigt, wie der weitere Weg unserer Weltgemeinschaft aussehen könnte. Nur in der Gemeinsamkeit liegt der Erfolg. Nur gemeinsam können wir die Flüchtlingspolitik in Europa und auf der ganzen Welt in den Griff bekommen. Das Kapital und die Ideologien haben hier in der Hintergrund zu treten, denn unser aller Leben ist in Gefahr. Und was viele vergessen – unser Erdball verträgt nicht so viele Katastrophen, wie manch‘ einer vielleicht glauben mag. Denn was nützt uns der ganze Wohlstand, wenn es auf einmal „Leichen vom Himmel regnet“!

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