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ZURÜCK ZUR ERNEUERUNG

Bei all‘ dem Schmutz und den Lügen, die aus der Türkei und den USA über unsere Kultur und unsere Wertephilosophien beinahe täglich hereinprasseln, drängt sich bei jedem Einzelnen, und in allererster Linie bei mir selbst, der Gedanke auf, ob das alltägliche Leben in der Form überhaupt noch lebenswert ist; soll heißen: Diese unsägliche, sogenannte nationalkonservative Politik des 21. Jahrhunderts mit den Putins, Trumps, Erdogans, Orbans und LePens dieser Welt, versprüht keinerlei Optimismus und Nachhaltigkeit…, nein, viel eher fühlt man sich der Willkür und den Rückwärtsgedanken Einzelner erbarmungslos ausgeliefert und bezweifelt, dass die Welt noch in irgendeiner Form gerettet werden kann – beinahe macht sich angesichts der verbal unterirdischen Beiträge der Mächtigen dieser Welt eine Art Resignation breit…

Und genau hier, am untersten Punkt der Erträglichkeit, liegt vielleicht die Chance für einen Neuanfang, für eine persönliche Erneuerung. Genau wie der Frühling alles Neu macht und uns die Natur vorlebt, wie Erneuerung vonstatten gehen kann, genau so sollten wir uns von den Automatismen der Jahreszeiten tragen lassen, uns inspirieren lassen von der Musik des auffrischenden Windes, vom Tanz der Honigbienen, von dem Urwald der Donauauen, der uns jedes Jahr wieder aufs Neue einlädt, um dem Naturwunder des übermäßig erwachenden Lebens in unseren Breiten beizuwohnen.

Wo schöner als in unserer Heimat zwischen Donau und Altmühl ist das Erwachen der Natur so faszinierend und herzerfrischend. In einer Region, in der Millionen von Menschen nach Ruhe und Entspannung suchen, wo Silberreiher und Störche, Wiesenweihen und Gänseseeger wieder zu Gast sind, wo der Große Brachvogel, der Kiebitz, der Rotmilan und sogar der Wanderfalke ihr Stell-Dich-Ein geben. Wie weit weg sind die Scharlatane dieser Welt, die nichts im Sinn haben außer Zerstörung und die Erhöhung ihres abscheulichen Selbst…

Mit Liebe und Selbstlosigkeit werden von den vielen Ehrenamtlichen der hiesigen Naturschutzgruppen, den wahren Helden unserer Welt, die Erdkrötenzäune aufgestellt und abgeschritten, und die Tiere über die Straßen getragen; mit akribischer Sorgfalt und Kleinarbeit werden Nistmöglichkeiten für unsere Singvögel aufgehängt und sogar der Fischbesatz der großen Ströme gibt neuerdings dem Huchen und dem Stör eine neue Chance zur selbstständigen Reproduktion. All‘ das zeigt, wie sensibel und fortschrittlich manch‘ einer mit unserem Naturerbe umzugehen imstande ist. Das ist die Hoffnung, die mich in diesen Tagen nährt – und die Nachrichten aus aller Welt verstummen wohl wieder für eine ganze Zeit und machen meinen Geist unabhängig von den Abgründen dieser Welt – aus welchen Winkeln der Verderbnis sie auch entsprangen…

Es ist wieder die Zeit der wirklich wichtigen Dinge. Eines der wichtigsten Ereignisse meines augenblicklichen Daseins ist die Frage, ob das Starenpärchen nun die Baumhöhle im alten Apfelbaum bezieht (hier besteht die Gefahr, dass die Katze eventuell die flüggen Jungtiere erjagt), oder ob sich die Jungverliebten für den liebevoll aufgestellten Starenkogel entscheiden, bei dem die Brut wohl vor dem Jagdtrieb der Katze sicher ist… Interessant ist auf jeden Fall, dass sich das Starenweibchen bis jetzt noch nicht entschieden hat, egal, wie schön der Starenmann das traute Heim auch eingerichtet hat…

Nur jetzt erscheint uns das frische Baumgrün in dieser unfassbar jungfräulichen Schönheit, während der Bärlauch bereits Blüten austreibt und sich für ihn die Saison dem Ende neigt… – der Duft des Donauknoblauchs frohlockt allerorten und ein weiß-gelbes Blütenmeer durchzieht die Auen. Doch unterliegt das scheinbare Paradies einem ebenso hartem Verdrängungswettbewerb wie die Menschheit. Dort, wo zuviel Gleiches auf einer Fläche lebt, beginnt die natürliche Auslese. Der Unterschied zu uns Menschen besteht bei der Maßlosigkeit und Willkür. In der Natur herrscht der Stärkere und das Gesetz des Stärkeren – in der menschlichen Kultur herrscht die Ignoranz und die Grausamkeit. Die Kriege werden über Stellvertreter ausgefochten – die Mächtigen selbst halten ihre Köpfe nicht hin… In der Natur kommt ausschließlich die Kraft des Selbst zum Einsatz, um die Grundbedürfnisse nach Nahrung, Revier und Reproduktion zu erobern oder zu verteidigen… – in der Menschheit unterliegen Maßlosigkeit, Gier und Machtstreben dem Treiben der Mächtigen. Die Wahl der Mittel geht bis hin zur gnadenlosen Vernichtung der eigenen Rasse und Identität… – so ein Verhalten wäre im Tierreich wohl kaum zu finden…

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